Nachruf

Du fehlst

überall …

Trine

5.5.2007 - 22.9.2017


Nachruf


»Was bedeutet ›zähmen‹?« fragte der kleine Prinz.

»Das wird oft ganz vernachlässigt«, sagte der Fuchs. »Es bedeutet ›sich vertraut miteinander machen‹.«

»Vertraut machen?«

»Natürlich«, sagte der Fuchs. »Du bist für mich nur ein kleiner Junge, ein kleiner Junge wie hunderttausend andere auch. Ich brauche dich nicht. Und du brauchst mich auch nicht. Ich bin für dich ein Fuchs unter Hundertausenden von Füchsen. Aber wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzigartig sein. Und ich werde für dich einzigartig sein in der ganzen Welt …«


Aus Der kleine Prinz v. Antoine de Saint-Exupéry

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Nun sitzen wir hier und fragen uns, wie unserer Leben weitergehen soll, jetzt wo Trine uns für immer verlassen hat. Irgendwie leben wir momentan in der Vergangenheit. In unserem Leben, welches ein Leben mit und für Trine war. Wir haben in den letzten Tagen viel über sie gesprochen und haben Stichpunkte über unser gemeinsames Leben aufgeschrieben. Ich möchte zu einigen Punkten etwas erzählen.


Trine war eine Genießerin ! Sie liebte es, in den frühen Morgenstunden in mein Bett zu krabbeln und sich ganz eng an mich zu kuscheln. Wie schön war es, wenn ich morgens als allererstes auf eine schwarze, gen Himmel gerichtete Hundenase blickte. So schlief Trine gerne, auf dem Rücken und die Pfoten in die Luft gestreckt. Dann träumte sie seelig. Niemals werde ich das Gefühl der tiefen Verbundenheit vergessen, welches durch diese Nähe in mir ausgelöst wurde.
Trine suchte immer den Körperkontakt mit uns, sie fand es schön, wenn wir eng nebeneinander saßen oder lagen. Selbst in ihren letzten Lebensstunden saß ich neben ihr auf dem Boden und sie hatte sich an mein Bein gekuschelt.


Trine war voll in unser Leben integriert. Sie übernahm freudig alle ihr zugeteilten Aufgaben. So suchte sie zur Mittagszeit immer ihr Herrchen im ganzen Haus oder im Garten um ihm einen Zettel zu bringen worauf stand: „Das Essen ist fertig!“ Und es machte ihr ungeheuren Spaß, dafür ein Lob von ihrem Herrchen zu bekommen.


Hervorzuheben war auch ihre Hilfsbereitschaft. Mit großer Freude hob sie mir alles vom Boden auf, Wäscheklammern, Papierschnipsel, Strümpfe – eben alles, was ich ihr sagte, brachte es mir und ich brauchte mich nicht so oft zu bücken. Bevor wir Gassi gingen, reichte sie mir den Schuhanzieher, die Schuhe und holte die Leine aus dem Korb. Ganz Perfekt!


Wenn wir mal ohne sie ausgingen, war es überhaupt kein Problem, denn allein bleiben konnte Trine perfekt! Ich sagte dann zu ihr: „Du bleibst hier, wir sind gleich wieder da!“ dann wusste sie sofort Bescheid und ging in ihr Körbchen. Niemals hat sie Theater gemacht, ganz egal wo wir waren. Auch im Hotel hat sie sich vorbildlich betragen und ruhig abgewartet, bis wir vom Essen zurück kamen. Nun gut, manchmal ist sie während unserer Abwesenheit in´s Hotelbett gehüpft, aber das wusste ja niemand . Auch wenn sie mal im Auto warten musste, war sie super brav und schaute nach uns aus. Im Treppenhaus vor der Arztpraxis wartete sie ruhig, bis ich mein Rezept abgeholt hatte. Man konnte sich immer voll auf sie verlassen.


War das nicht alles ein Beweis für das große Vertrauen, was Trine zu uns hatte? Sie vertraute uns in allen Lebenslagen, auch als wir zuletzt so oft zum Arzt mussten. Ich sagte dann immer zu ihr: „Trine, alles wird gut. Du schaffst das!“ und dann wurde sie ruhiger und ließ sich ohne zu Murren behandeln.
Besonderes Vertrauen mußte sie auch für manche Unternehmungen haben. Zum Beispiel im Urlaub, wenn sie mit mir Sessellift fuhr und sich nicht rühren durfte. Auch das machte sie einfach wunderbar! Von oben schaute sie sich gerne die Kühe an und nur an den Öhrchen könnte ich ihre Aufmerksamkeit erkennen, aber sie bewegte sich keinen einzigen Millimeter und saß fest und sicher auf meinem Schoß.


Überhaupt wusste sie sehr genau, auf was es ankam! Durch ihr Einfühlungsvermögen konnte sie sich immer schnell an sich ändernde Situationen anpassen. Sie wusste, wann wir lustig waren, sie wusste, wann wir traurig waren. Unser Seelenleben hatte sie durchleuchtet! Und das war so richtig gut, denn sie konnte uns trösten und aufmuntern.

 

Ansteckend war ihre Lebenslust und ihre Kreativität, mit der sie uns täglich zum Lachen brachte. So hatte ich ihr beigebracht, mir ein bestimmtes kleines Näpfchen zu bringen wenn ich sie, nachdem wir selber gegessen hatten, fragte: „Trine, hast du denn auch Hunger? Dann bringe mir bitte deinen Teller.“ Sofort lief sie in die Abstellkammer, kramte das Näpfchen raus und brachte es zu mir – ein Trick, der natürlich auch bei Gästen sehr gut ankam.
Diesen Trick hat unser Autodidakt Trine dann noch etwas erweitert! Als sie einmal keinen Zugang zur Abstellkammer hatte und somit das bestimmte Näpfchen nicht greifbar war, nahm sie einfach ihren richtigen Fressnapf und schleppte ihn zu mir, schließlich ist Napf gleich Napf. Sie hatte gemerkt, wie man es anstellt, angestrahlt und belohnt zu werden und profitierte sehr von diesem Wissen.


In 10 Jahren hat sie so viele Dinge bei uns gelernt, sie war wirklich ausgesprochen gelehrig. Das Einstudieren von Tricks hat sie über alles geliebt. Meistens brauchte sie nur wenige Wiederholungen, bis sie verstand, was sie tun sollte. Und sie war intelligent genug, die Tricks für ihre Zwecke selbstständig weiter zu entwickeln. Das hört sich zwar etwas hochtrabend an, aber es entspricht den Tatsachen. So erkannte sie nicht nur, dass es in der Kategorie „Napf“ mehrere Gefäße gab. Sie erkannte auch, dass man nicht darauf warten musste, bis man zum Spielen aufgefordert wurde. Sie probierte aus und testete so lange, bis sie eine Lösung gefunden hatte, wie sie ihren großen Korb mit den Spielsachen zu uns zu ziehen konnte. Sie stellte ihn vor vor unsere Füße : „Jetzt wird gespielt, aber flott!“ bedeutete das.

Ohne unser Zutun fand sie auch heraus was es bedeutet, wenn der Wecker klingelt: Chef muß aufstehen. Sobald der Wecker auch nur einen Pieps von sich gegeben hatte, lag ihr Kopf vor meinem Gesicht auf dem Bett und sie gab mir einen Nasenstupser. Wenn ich nicht reagierte folgte Stufe zwei mit einem festeren Nasenstupser. In der letzten Stufe sprang sie dann mit Karacho auf das Bett, hüpfte über mich drüber und freute sich tierisch, wenn ich endlich gequält aus dem Bett stieg.


Gäste begrüßte Trine stürmisch, es war oft schon zu stürmisch. Es ist uns auch nicht gelungen, ihr das Anspringen vollends abzugewöhnen. Manch einer ertrug dies schweigend mit verdrehten Augen. Andere freuten sich darüber, wenn Trine sie mit Quietschen vor Freude und Fletschen der Zähne als  Zeichen der größten Sympathie überfiel und dann anschließend noch feuchte Küsschen verteilte.  Auf dem Rücken liegend und weitere Laute der Freude läuteten das Ende jeder Begrüßungszeremonie ein.

Trine war sehr gesellig und in großer Runde oft der Mittelpunkt. Das hat sie voll genossen und sie versprühte ihren Charme, dem so manch einer erlag. Ein Blick aus den braunen Äuglein weichte jeden Widerstand auf!

Natürlich war Trine nicht nur ein Engel, sie hatte auch andere Seiten. So konnte sie sehr aufbrausend reagieren, wenn ihr ein Hund begegnete, den sie nicht mochte. Zwar lernten wir dieses Verhalten im Laufe der Jahre etwas zu steuern, aber ganz aufgegeben hat sie es nie. Andererseits war sie mit Hunden, die sie mochte oder die sie schon lange kannte sehr verträglich. Ihrer langjährigen Freundin Mira gab sie sogar ohne zu meckern ihr Fressi ab! Das fand ich immer bemerkenswert.


Mit fremden Hündinnen konnte sie sehr zickig sein, die konnten ihr gestohlen bleiben. Sie tolerierte generell nur widerwillig, dass andere Hunde sich nach ihrem Namen und Status erkundigten. Wehe wenn sie fertig damit waren und weggehen wollten … dann rannte sie manchmal hinterher und sagte ihnen so richtig laut und zornig Bescheid, dass es sie überhaupt nichts anging, wie sie hieß!


Und laut wurde sie auch, wenn jemand sich unserem Grundstück näherte. Und unser Grundstück war – zumindest nach ihrem Dafürhalten – ziemlich groß, viel größer als in der Realität. Es wurde sehr gerne Alarm gebellt, schließlich mussten wir vor nahenden Feinden gewarnt werden. Warnen mußte sie uns auch, wenn der große Rabe sich auf UNSERE Birke setzte, hui, das fand Trine vielleicht frech und unerhört!


Trine hatte ein großes Spektrum an Lautäusserungen, an denen man klar erkennen konnte, was sie zu sagen hatte. Und sie hatte viel zu sagen! Laut und dunkel bedeutete Alarm. Knurren und Lefzen hochziehen war als deutliche Warnung zu verstehen. Aber auch ihre Freude konnte sie ausdrücken! Dann war ihre Stimme ganz hoch und hell.


Jeder Tag endete so, wie er begonnen hatte: mit Schmusen. Jeden Abend wurde Trine durchgeknuddelt. Sie drückte sich dann ganz nah an mich und ich flüsterte ihr ins Ohr, wie lieb ich sie hatte. Ein unbeschreiblich inniges Gefühl. Wir gehörten einfach zusammen.


Ja, unsere liebe Trine, die Supermaus, das Möppelchen, mein Hase … sie hatte ihren eigenen Willen, den sie auch grundsätzlich vertreten hat. Sie war kein Hund, der für Leckerchen alles und jedes getan hätte, ganz und gar nicht. Was sie tat, das tat sie nur, um uns glücklich zu machen. Und das ist ihr gelungen!


Wie gerne hätten wir Trine noch bei uns behalten! Doch ihre Erkrankung war am Ende einfach nicht mehr zu beherrschen. Wir trauern. Für den Schmerz und für die Sehnsucht, die wir nach Trine haben, gibt es keine Worte ….


Wir hatten uns doch vollkommen miteinander vertraut gemacht….



Wir danken unseren Tierärztinnen Frau Schwarz und Dr. Fricke in Neunkirchen sowie dem gesamten Praxisteam, die uns bei der Betreuung von Trine beigestanden haben.


Wir danken unseren Freunden, die in dieser schweren Zeit verständnisvoll an unserer Seite sind.


Wir danken ganz besonders unserer Züchterin Iris Flender, die uns Trine 2007 anvertraut hat. Sie hat mit ihrer Erfahrung und ihrer Menschenkenntnis den Hund aus ihrem B-Wurf ausgesucht, der am besten zu uns passte. In ihrem Zwinger vom Gilsbachtal wurde die Grundlage für Trines liebes und anhängliches Wesen gelegt. DANKE liebe Iris!



Letzte Bilder vom 21. August 2017. So lebenslustig und glücklich wollen wir unsere liebe Trine in Erinnerung behalten.